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Ein Plädoyer für Matthias Sammer

geschrieben von: Fabian Rustemeier

getagged in: Zwanziger , WM 2010 , Nationalmannschaft , Michael Ballack , Löw , DFB , Bierhoff

Der perfekt Bundestrainer“ sei Joachim Löw schrieb der Focus vor ein paar Wochen. Doch ist er das wirklich? Wird er nicht vielmehr überschätzt? Die WM vor vier Jahren hat das ganze Land derart berauscht, dass Löw als ein Wundertrainer gilt. Glaubt man der Mehrheit der Deutschen, dann ist Löw ein Magier. Was waren das noch für Zeiten, als sich das ganze Land vor der letzten WM über die Unfähigkeit von Klinsmann ereiferte! Innerhalb von wenigen Monaten änderten Millionen von Möchtegern-Bundestrainern ihre Meinung. Noch extremer war es wohl bei der legendären WM 1954 in der Schweiz mit Bundestrainer Herberger. Auch er hatte nach der 8:3-Klatsche gegen Ungarn heftige Kritik auszustehen bevor er dann mit seinem Team den Titel einfuhr.

Doch ausgerechnet der bis 2006 völlig unbekannte Joachim Löw ist völlig unumstritten. 12 Monaten im Amt stand jedenfalls bisher bei jedem Klub sein Amt schon zur Diskussion, wenig später war er seinen Job los. Doch als Bundestrainer sollte seine Vertragsverlängerung schon vor der WM in Südafrika vollzogen werden. Jetzt wurde sie immerhin bis dahin vertagt. Dabei wird Löw seinem guten Ruf in keinster Weise gerecht.

„Der Jogi“ konnte mit seinem Team zuletzt nicht wirklich überzeugen. Stattdessen schwelt der Dauerstreit der Eitelkeit mit Matthias Sammer ununterbrochen weiter. Schwäbische Spieler werden generell vorgezogen. Jedwede Kritik aus dem Team wird verboten. Die Spieler haben zu schweigen oder fliegen aus dem Team. So war es mit Christian Wörns vor der letzten WM, mit Torsten Frings war es zuletzt nicht anders. Sogar Michael Ballack schien schon einmal kurz vor dem Rauswurf zu stehen, als er es wagte die Verdienste von Torsten Frings herauszuheben.

Der Bundestrainer besitzt eine große Selbstüberzeugung. „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“ Das Auftreten bei der letzten Weltmeisterschaft hat nicht nur ganz Fußball-Deutschland berauscht. Nein, es hat auch den Bundestrainer selbst berauscht. Löw ist berauscht von sich selbst. Im Vollrausch nach Eitelkeit und Macht. Löw mag eigentlich ein zurückhaltender und sympathischer Mann sein. Als Bundestrainer verliert er aber mehr und mehr den Bezug zur Realität und entwickelt eine immer stärkere Überheblichkeit. Er glaubt aus der Nationalmannschaft einen Klub seiner Kumpels machen zu können. 11 Freunde müssen auf dem Platz stehen. Aber dennoch ist die Nationalelf nicht die Lieblingself des kleinen Jungen Jogi, der sich diese aus seinem Paninialbum zusammensucht.

Dass man mit einer Mannschaft erfolgreich sein kann, die eben nicht nur aus den Lieblingsspielern des Trainers besteht, das hat Matthias Sammer bewiesen. 2002 wurde er mit Borussia Dortmund Deutscher Meister, erreichte das UEFA Cup Finale und beeindruckte in der folgenden Saison Europa in der Champions League.

Der Star des Teams war aber alles andere als nach dem Geschmack von Trainer Sammer. Egozentrisch und selbstverliebt ist Marcio Amoroso. Wer Sammer kennt, der weiß, dieser war früher auf dem Platz das genaue Gegenteil. Doch Sammer arrangierte sich mit dem damals teuersten Spieler der Ligageschichte. Beide profitierten davon. Amoroso wurde Torschützenkönig, Sammer der jüngste Meistertrainer der Bundesligageschichte und der BVB eben zwei Jahre nach dem Beinahe-Abstieg wieder Deutscher Meister.

Doch Bundestrainer Löw ist sich zu eitel um sich mit Kritikern zu arrangieren. Insbesondere mit eben diesem Matthias Sammer will er nicht kooperieren. Dabei hat Sammer einiges vorzuweisen. Dank des Nachwuchsbeauftragten des DFB, oder wie es offiziell heißt dem Sportdirektor, sind die Juniorenteams des DFB auf dem Vormarsch. Die U17, die U19 und die U21 wurden in Sammers Amtszeit allesamt Europameister. Doch Löw war schon immer gegen Sammer. Also darf der einfach keinen Erfolg haben. So einfach ist das. Der Bundestrainer ist wirklich der kleine Jogi in dessen Sandkasten nur seine besten Freunde dürfen. Auswahlkriterium Nummer eins: Schwabe oder kein Schwabe?

Fabian Rustemeier

Kommentare (4)add comment

Dynamo Vorwärts said:

Dynamo Vorwärts
Löw...
...muss weg! Anscheinend wachelt sein Stuhl ohnehin... http://www.sueddeutsche.de/sport/823/504040/text/
 
Februar 23, 2010
Votes: +0

Treffer Versenkt said:

Treffer Versenkt
Löw soll bleiben
aber nur, wenn wir ins Halfinale kommen!
 
Februar 16, 2010
Votes: +0

Ententanz said:

Ententanz
keine schlechte Idee, aber...
...wem bringt die Diskussion etwas VOR der WM? Niemanden! Mann sollte grundsätzlich Verträge von Em zu WM zu EM machen und danach verlängern - so entsteht eine natürliche statt eine persönliche Drucksituation. Also: alle mal den Ball Flach halten. Die nächste Frage wäre nämlich: ab welcher Platzierung hat Jogi das Ziel verfehlt und bleibt deshalb nicht Bundestrainer? Na klar: bei allem außer dem Titel. Und da gibt es leider noch mind. 20 andere Nationen, die uns ebenso das Wasser reichen können...
 
Februar 07, 2010
Votes: +1

Daniel said:

Daniel
...
Ich finde: Löw macht einen guten Job. Und ist, so mein Gefühl, ziemlich anerkannt bei den Spielern. Bierhoff ist durchaus ersetzbar - Mister Eloquent. Sammer als Bundestrainer wäre gewagt: Er ist sperrig und im Umgang mit den Medien oftmals zu roh bzw. schnell beleidigt, wenn ihm jemand Pferdeäpfel aufs Brot schmieren will. Wir brauchen Ruhe, jetzt. Die WM steht an. Grabenkämpfe und Personaldebatten dann bitte im Anschluss. Die Gefahr ist: Unzufriedene Spieler könnten ihre Chance wittern und im Zuge der kleinen Löwschen Schwächephase unnötig Wind machen.
 
Februar 05, 2010
Votes: +0

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